2014/08/16

Zweieinhalb und Einhalb

Ich übertreibe nicht im geringsten wenn ich sage, das diese Zeit die Beste überhaupt in meinem Leben ist. 
Jeden Tag denke ich mir mindestens einmal: die beiden sind so süss gerade, ich muss diesen Moment unbedingt geniessen. Wie Levi todernst mit dem neuen Arztkoffer, den Feuerwehrhelm schief auf dem Kopf, mit dem Bobbycar zu einem Patienten rast. Wie Henri ihm dabei völlig verzückt zuschaut. Wie Levi Abends zu mir sagt: Mama, ich hab dich so lieb, bleib noch ein bisschen (und ich blieb natürlich noch ein bisschen, obwohl ich dadurch viel zu spät zu einem Geburtstag kam). Oder wie Henri sich mit aller Kraft und völlig konzentriert das erste Mal am Sofa hochzog, unter lauten Anfeuerungsrufen der ganzen Familie. Das sind die Momente, an die ich mich erinnern möchte.

Was Levi angeht, und obwohl ich das vermutlich bei jedem Alter bisher gesagt habe, bin ich mir jetzt absolut sicher: zweieinhalb ist der Wahnsinn. Das allerbeste Alter überhaupt. Levi redet ohne Punkt und Komma, und nachdem er ja mehr als zwei Jahre nur sehr wenig verständliches von sich gegeben hat, fing er eines Tages einfach an in ganzen Sätzen zu sprechen. Kann man auch machen! Und was er dann sagt! Etwa so Sachen wie: "Mama, vermutlich brauche ich eigentlich noch einen Keks!" oder auf die Aufforderung, endlich mit dem Essen zu beginnen: "Ich muss noch kurz überlegen, ob der Dachdecker kommen soll!" (Ratet mal wie weit die Bauarbeiten im neuen Haus sind). Ich finde, von sinnlosem Gebrabbel in kürzester Zeit zu Wörtern wie 'vermutlich' und 'eigentlich' zu switchen ist schon ziemlich bemerkenswert, oder? Schön ist es auch, dass er bei jedem Fremdem, mit dem man sich auf der Strasse schnell über die Uhrzeit oder den kürzesten Weg irgendwohin austauscht, hinterher fragt: "Wer ist das? Wo wohnt der? Hat der einen grossen Rasenmäher? Hat er ein Motorrad? Braucht er eine Uhr?' Auch beliebt: "Was ist das hier eigentlich? Was kann man damit machen?"
Das sind gute Fragen, berechtigte Fragen! Und er ist neugierig, ich finde das wunderbar! Wir wissen doch alle: wer nicht fragt bleibt dumm. Dumm ist es allerdings, wenn man bei fünfzehn von zwanzig Fragen zugeben muss, das man die Antwort nicht weiß: "keine Ahnung wem das gehört." "Ich kannte die Frau nicht." "Nein, ich weiss leider nicht wo sie wohnt"... ihr könnt es euch vorstellen.
Und er ist einfach so niedlich. Seine blonden Haare stehen ihm meistens wirr vom Kopf ab und er kann  herrlich den Kopf in den Nacken werfen und herzhaft über Sachen wie: "Nachti, Nachti" lachen. Oft finde ich ihn so witzig, dass wir beide lachen bis uns die Tränen kommen. Oder ein Schluckauf. 
Zweienhalb ist natürlich auch das Alter, in dem ein Kind entdeckt, das es einen eigenen Kopf und Willen hat und austestet, wie weit es gehen kann. Das macht Levi natürlich auch. Und manchmal habe ich das Gefühl, ich hätte den ganzen Tag nur 'Nein, Nein, Tripelnein' gesagt, das tut mir dann immer leid. Aber ich weiss einfach, dass Konsequenz jetzt wichtig ist, und dass sie ihm Grenzen und Sicherheit gibt. Deshalb müssen wir jetzt da durch. Und wir merken auch schon, dass man langsam nur noch zweimal nein sagen muss statt dreimal, und Levi sich durchaus gemerkt hat, dass 'Nein' auch wirklich 'Nein' bedeutet. Ich bin ja sowieso nicht dafür, allzu viel zu verbieten. Natürlich müssen beide Kinder lernen sich zu benehmen-  ich finde nichts schlimmer als Kinder die sich aufführen wie offene Hosen und Eltern, die das einfach weglächeln. Aber trotzdem halte ich es immer noch mit dem von mir selbst erfundenen 'Why not' - Prinzip: Bei vielen Dingen, die man aus einem Impuls heraus verbieten oder einschränken möchte, frage ich mich erstmal: Warum eigentlich nicht? Was spricht wirklich dagegen sich beispielsweise zwei Kilo Sand in die Latzhose zu schütten? Eigentlich ja nur die Aussicht darauf, das Kind wieder komplett entsanden zu müssen. Meine Bequemlichkeit versus die Erfahrung wie sich sowas anfühlt. Also rein mit dem Sand in die Hose! Das Beispiel ist vielleicht etwas blöd gewählt, aber ich hoffe, ihr wisst was ich meine.

Mein süsser Henri dagegen ist ein Wonneproppen. Ein runder, strahlender Wonneproppen, der mittlerweile stolz die Frisur meines Onkel Dereks trägt: Stirnglatze und gelockter Kranz drum herum. Er sieht zum Anbeissen aus! Also Henri, nicht Onkel Derek (Gott hab ihn selig), der hatte als waschechter Brite einen Hang zu leicht exzentrischen Outfits, aber dazu ein andernmal.
Henri kann Strahlen, wie das nur Babys können. Mit seinen sechs Beisserchen lacht er breit übers ganze rosige Gesicht. Wenn man ihn hochwirft oder Kuckuck ruft, jauchzt er auch noch glucksend dazu, eigentlich quietscht er wie ein schlecht geöltes Scharnier. Besonders witzig findet er immer noch seinen grossen Bruder. Den findet er so knallermässig, das Levi eigentlich nur "Henri! Chrchrchr (Ernielache)" machen muss und Henri lacht und gluckst und quietscht, das er fast umfällt. 
Ich stille ihn immer noch, nicht voll, denn er bekommt die erste Beikost, aber noch zwei bis dreimal am Tag und nachts. Das kann von mir aus erstmal so weitergehen, bis einer von uns beiden entscheidet, dass es genug ist. Trotzdem freue ich mich auf den ersten Wein nach dem Abstillen!

Jetzt liegen sie beide neben mir und schlafen friedlich. Und die meisten Eltern werden mir zustimmen: da hat man sie gleich noch ein Stückchen lieber.

In diesem Sinne: Nachti, nachti!

Ein schönes Wochenende meine Lieben!
Love, Blinki


Kommentare:

  1. Ach herrlich das ist echt so schön! Ich musste Lachen, das mit dem Helm und Arztkoffer und so. Meiner ist jetzt 5 aber ich fand das war echt so schön!!! Was danach kommt ist aber auch sehr schön, also keine Sorge. Mein Zweites ist jetzt 20 Monate und ich freue mich jetzt schon wenn er endlich losquasselt.
    Alles Liebe
    Tanja

    AntwortenLöschen
  2. <3 Ich hatte gestern schon hier geantwortet aber irgendwie mag Blogspot aka Google mich nicht mehr....Ich kann nicht mehr bloggen, weil ich nichts mehr neu eröffnen kann und kommentieren kann ich anscheinend auch nicht. Hm. Sollte ich das als Zeichen sehen, mit dem Bloggen aufzuhören? Oder sollte ich einfach zu Wordpress wechseln? ;-)
    Liebe Grüße!

    AntwortenLöschen